54 %
Mehr als die Hälfte hat ausreichende Vitamin-D-Werte
54,4 % erreichen mindestens 50 nmol/l
Die meisten gesunden Kinder in Deutschland brauchen kein Vitamin-D-Präparat. Den größten Teil bildet der Körper selbst, sobald Sonne auf die Haut fällt. Für Babys gilt eine eigene Empfehlung, und für einige Gruppen kann ein Präparat sinnvoll sein.
Besonders ist Vitamin D, weil es kaum vom Essen abhängt. Von Oktober bis März steht die Sonne in Deutschland zu tief, dann zehrt der Körper von seinen Speichern. Genau daraus entsteht die Frage, ob im Winter etwas fehlt.
Dieser Artikel zeigt, wie viel Kinder brauchen, wie gut sie versorgt sind und wann ein Gespräch in der Kinderarztpraxis naheliegt.
01 · Grundlage
Vitamin D ist der einzige Nährstoff, den der Körper selbst herstellen kann. Trifft Sonnenlicht auf die Haut, bildet sie Vitamin D. Bei Kindern, die regelmäßig draußen sind, stammen 80 bis 90 Prozent der Versorgung daher.
Wie viel entsteht, ist von Kind zu Kind verschieden. Es hängt von der Jahreszeit ab, vom Hauttyp und davon, wie viel Zeit ein Kind im Freien verbringt.
In Deutschland funktioniert das nicht ganzjährig. Von Oktober bis März steht die Sonne zu tief. In diesen Monaten bildet die Haut praktisch kein Vitamin D. Der Körper zehrt dann von dem, was er im Sommer angelegt hat, denn Vitamin D wird im Gewebe gespeichert.
Quellen: DGE 2025
02 · Bedarf
Die DGE nennt für Vitamin D keinen Tagesbedarf, sondern einen Schätzwert. Er gilt für den Fall, dass die Haut gar nichts beiträgt. Weil sie das im Sommer sehr wohl tut, liegt der Wert höher als das, was über das Essen wirklich nötig ist.
Wie viel Vitamin D braucht mein Kind?
Die Werte kommen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Stand 2025. Auffällig ist: Ab dem ersten Geburtstag gilt für alle derselbe Wert. Ein Vierjähriger braucht rechnerisch genauso viel wie ein Fünfzehnjähriger.
| Altersgruppe | pro Tag | in IE |
|---|---|---|
| 0 bis unter 12 Monate | 10 µg | 400 IE |
| 1 bis unter 15 Jahre | 20 µg | 800 IE |
| 15 bis unter 65 Jahre | 20 µg | 800 IE |
Für Babys im ersten Lebensjahr gilt etwas anderes. Dazu mehr im Abschnitt zur Ergänzung.
Schätzwert bei fehlender Bildung in der Haut. IE steht für Internationale Einheiten, die Angabe auf den meisten Packungen. 1 Mikrogramm entspricht 40 IE.
Quelle:DGE 2025
03 · Versorgungslage
Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist ausreichend mit Vitamin D versorgt. Rund ein Drittel liegt unter dem empfohlenen Wert, ohne dass bereits ein Mangel vorliegt. Bei etwa jedem achten Kind sind die Werte so niedrig, dass sie als Vitamin-D-Mangel gelten.
Ein Vitamin-D-Mangel betrifft also nur einen Teil der Kinder. Das Risiko ist höher, wenn wenig Vitamin D über die Haut gebildet werden kann, zum Beispiel bei wenig Aufenthalt im Freien, dunklerer Haut oder stark bedeckender Kleidung.
Häufig ist zu lesen, dass rund 60 Prozent der Kinder in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt seien. Diese Zahl stammt aus älteren Auswertungen. Nachdem Unterschiede zwischen den damaligen Labormessungen berücksichtigt wurden, lag der Anteil mit Werten unter 30 nmol/l bei 12,5 Prozent statt zuvor 27 Prozent.
Wichtig: Die zugrunde liegenden Blutproben wurden zwischen 2003 und 2006 erhoben. Vergleichbare aktuelle Daten für Kinder in Deutschland fehlen.
Quellen: Robert Koch-Institut 2017; BMC Public Health 2018
54 %
Mehr als die Hälfte hat ausreichende Vitamin-D-Werte
54,4 % erreichen mindestens 50 nmol/l
12,5 %
Etwa jedes achte Kind liegt im Bereich eines Vitamin-D-Mangels
12,5 % liegen unter 30 nmol/l
18,9 %
Bei 11- bis 13-jährigen Mädchen ist der Anteil besonders hoch
18,9 % liegen unter 30 nmol/l
Etwa jedes achte Kind hatte einen Vitamin-D-Mangel.
04 · Funktion
Vitamin D gilt als das Knochen-Vitamin. Das stimmt, greift aber zu kurz. Der Körper braucht es an mehreren Stellen, und für vier davon ist die Datenlage so gut, dass die EU entsprechende Aussagen zugelassen hat.
Knochen sind kein fertiges Gerüst. Sie werden ein Leben lang umgebaut, und bei Kindern kommt das Wachstum dazu. Vitamin D sorgt dafür, dass Calcium aus dem Essen im Knochen ankommt und dort eingebaut wird. Ohne ausreichend Vitamin D nützt auch viel Calcium wenig. In der Wachstumsphase ist dieser Weg besonders gefragt, weil der Knochen gleichzeitig länger und fester werden muss.
Erlaubter Wortlaut
„Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei."
Wie viel Calcium aus dem Essen tatsächlich im Körper ankommt, steuert Vitamin D. Es reguliert die Aufnahme im Darm. Bei knapper Versorgung holt der Körper weniger heraus. Deshalb hängen die beiden Nährstoffe zusammen: Ein Kind, das viele Milchprodukte isst, aber kaum draußen ist, verwertet das Calcium schlechter als eines, das regelmäßig in der Sonne spielt.
Erlaubter Wortlaut
„Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei."
Vitamin D ist an der Arbeit verschiedener Abwehrzellen beteiligt. Genau das beschreibt der zugelassene Wortlaut: eine Beteiligung an der normalen Funktion. Er sagt nicht, dass Vitamin D vor Erkältungen schützt. Ob Kinder mit einer Ergänzung seltener krank werden, ist untersucht worden, und die Ergebnisse gehen auseinander. Am ehesten zeigt sich ein Effekt bei Kindern, die vorher deutlich zu wenig hatten.
Erlaubter Wortlaut
„Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei."
Damit ein Muskel sich zusammenzieht und wieder löst, braucht er Calcium. Über diesen Weg ist auch Vitamin D beteiligt. Bei einem ausgeprägten Mangel kann die Muskelkraft nachlassen. Innerhalb des normalen Bereichs macht mehr Vitamin D die Muskeln dagegen nicht kräftiger.
Erlaubter Wortlaut
„Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei."
Speziell für Kinder zugelassen
Für die Allgemeinbevölkerung zugelassen
Diese Aussagen beziehen sich nicht speziell auf Kinder.
Zu Konzentration, Stimmung, Schlaf, Allergien und dem Schutz vor Erkältungen wird geforscht. Für eine zugelassene Aussage reichen die Ergebnisse bisher nicht aus. Manche Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang hin, andere finden keinen. Wo Werbung solche Wirkungen verspricht, geht sie über das hinaus, was belegt ist.
05 · Lebensmittel
Wenig. Vitamin D kommt in nur wenigen Lebensmitteln in nennenswerter Menge vor, und die meisten davon sind Fisch. Kinder in Deutschland nehmen über das Essen etwa 1 bis 2 Mikrogramm am Tag auf, Jugendliche 2 bis 4.
Das klingt nach wenig und ist es auch. Nur ist es kein Versäumnis. Vitamin D ist der Nährstoff, bei dem der Speiseplan nicht die Hauptrolle spielt. Den größten Teil bildet der Körper selbst, wenn Sonne auf die Haut fällt.
Die Prozentangaben unten beziehen sich trotzdem auf den Schätzwert der DGE. Der gilt für den Fall, dass die Haut gar nichts beiträgt. Im Sommer liegen die tatsächlichen Anteile deshalb viel höher, als die Zahlen vermuten lassen.
Wie stark die Werte schwanken, zeigt der Fisch: Wildlachs enthält deutlich mehr als Zuchtlachs, und bei Pilzen macht es einen großen Unterschied, ob sie mit UV-Licht behandelt wurden. Die Angaben sind Richtwerte.
Quellen: MRI 2025
Anteil am Referenzwert
Nährwerte:MRI 2025 · Referenzwerte: DGE 2025
Über das Essen allein kommt kaum ein Kind auf den Schätzwert.
06 · Ergänzung
Für gesunde Kinder, die regelmäßig Zeit im Freien verbringen, sehen die
deutschen Kinderärzte keinen Anlass für ein Präparat, auch nicht im Winter.
Für einige Gruppen sieht es anders aus, und für Babys gilt eine eigene
Empfehlung. Ob das auf dein Kind zutrifft, klärst du am besten mit deiner
Kinderärztin.
Praxis
Ist die Entscheidung gefallen, stellen sich schnell praktische Fragen. Wie viel, wie oft, was ist mit dem, was mein Kind ohnehin schon bekommt.
Ein Präparat ersetzt den Aufenthalt im Freien nicht. Draußen zu sein wirkt auf mehr als nur die Vitamin-D-Bildung.
BfS 2026
Vitamin D ist fettlöslich und wird zusammen mit einer Mahlzeit besser aufgenommen. Täglich eine kleine Menge ist besser als selten eine große.
BfR 2025
Maßgeblich ist die Angabe auf der Packung eines Produkts für die Altersgruppe deines Kindes. Erwachsenenpräparate sind dafür nicht gedacht, auch nicht in halber Menge.
BfR 2025
Vitamin D steckt auch in Multivitaminprodukten, in manchen Margarinen und in angereicherten Pflanzendrinks. Wenn mehrere Quellen zusammenkommen, zählt die Summe. Ein Blick auf die Zutatenlisten lohnt sich, bevor ein weiteres Produkt dazukommt.
EFSA 2023
Quellen: DGE 2025; BfR 2024; Springer 2025
07 · Sicherheit
Grundsätzlich ja, praktisch kommt es selten vor. Vitamin D ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert. Anders als bei wasserlöslichen Vitaminen scheidet der Körper einen Überschuss nicht einfach aus, sondern legt ihn an. Deshalb gibt es für Vitamin D eine Obergrenze.
Über Sonne und Essen ist eine Überdosierung nicht möglich. Die Haut stellt die Bildung von selbst ein, wenn genug da ist, und in Lebensmitteln stecken zu geringe Mengen. Ein Zuviel entsteht praktisch nur über Präparate, und auch dort erst, wenn die Obergrenze über längere Zeit deutlich überschritten wird.
Die Fälle, die dem Bundesinstitut für Risikobewertung gemeldet werden, haben meist denselben Hintergrund: hochdosierte Präparate, oft aus dem Internet, oft für Erwachsene gedacht. Ein Kind wiegt weniger und verträgt entsprechend weniger. Wenn dein Kind versehentlich eine größere Menge erwischt hat, ist die Kinderärztin die richtige Adresse.
Quellen: EFSA 2006; BfR 2024; BfR 2025
Höchstmenge nach Alter
| 0 bis 6 Monate | 25 µg |
|---|---|
| 6 bis 12 Monate | 35 µg |
| 1 bis 10 Jahre | 50 µg |
| 11 bis 17 Jahre | 100 µg |
Diese Werte gelten für die gesamte Aufnahme aus allen Quellen. Sie sind keine Empfehlung, sondern die Menge, die dauerhaft ohne Bedenken aufgenommen werden kann.
Quelle:EFSA 2023
08 · Häufige Fragen
Wähl die Frage aus, die dich betrifft.
Von Oktober bis März bildet die Haut tatsächlich kaum Vitamin D. Der Körper
ist darauf eingerichtet und zehrt in dieser Zeit von dem, was er im Sommer
angelegt hat. Für gesunde Kinder reicht das nach Einschätzung der deutschen
Kinderärzte aus. Ein Präparat wird erst dann zum Thema, wenn ein Kind wenig
draußen ist oder dunklere Haut hat.
DGKED 2018
In Großbritannien, Irland und den Niederlanden bekommen Kinder tatsächlich
routinemäßig Vitamin D. Dahinter stecken zwei Unterschiede. Die Länder
ziehen die Grenze für ausreichende Werte nicht überall gleich. Und in
Ländern wie Finnland oder Großbritannien wird Vitamin D Milch und
Streichfetten zugesetzt, in Deutschland kaum. Beide Empfehlungen sind
nachvollziehbar, sie gehen nur von unterschiedlichen Ausgangslagen aus.
DGKED 2018
Die Kombination ist verbreitet, der Nutzen für Kinder aber nicht belegt.
Die Studien dazu stammen fast alle von Erwachsenen und aus kleinen Gruppen.
Wenn dein Kind ein Produkt mit K2 bekommt, ist das kein Problem. Es bringt
nach heutigem Stand nur nichts zusätzlich. Bei gerinnungshemmenden
Medikamenten gehört die Frage in die Praxis.
BfR 2025
Die Frage ist gut untersucht und die Ergebnisse gehen auseinander. Eine
große Auswertung fand einen kleinen Effekt, allerdings vor allem bei
Menschen, die vorher sehr niedrige Werte hatten. Bei Kindern mit normaler
Versorgung zeigte sich kein verlässlicher Nutzen. Deshalb ist ein Schutz
vor Infekten in der EU auch nicht als Aussage zugelassen. Wer forscht, hält
das Thema offen, für den Alltag taugt es bisher nicht als Argument.
The BMJ 2017
Sinnvoll ist ein Test, wenn es einen konkreten Anhaltspunkt gibt, etwa eine
Erkrankung oder sehr wenig Zeit im Freien. Dann klärt die Kinderärztin, ob
gemessen wird. Bei gesunden Kindern ohne solchen Anlass bringt ein Test
meist keine Klarheit, weil auch ein niedriger Wert für sich genommen noch
keine Entscheidung begründet. Die Kassen übernehmen einen Test ohne Anlass
deshalb nicht.
DGKED 2018
Sie verringert sie, unterbindet sie aber nicht. Ein Mangel allein durch
Sonnencreme ist nicht belegt. Du musst dich also nicht zwischen Sonnenschutz
und Vitamin D entscheiden. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät sogar
ausdrücklich davon ab, für die Bildung gezielt mehr Sonne zu suchen, weil
Sonnenbrand in der Kindheit langfristig schwerer wiegt.
BfS 2026
Dass die Zahlen auseinandergehen, hat einen einfachen Grund. Die DGE nennt
20 Mikrogramm am Tag, die europäische Behörde EFSA 15. Beide Werte stimmen,
die Institutionen leiten sie nur unterschiedlich ab. Auf Packungen begegnet
dir zusätzlich eine dritte Zahl: Die Prozentangaben dort beziehen sich auf
einen gesetzlich festgelegten Etikettenwert von 5 Mikrogramm, der für alle
Altersgruppen gilt, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen.
DGE 2025; EFSA 2016
Der Ernährungskompass prüft in acht Fragen zu Alter, Essgewohnheiten und Aufenthalt im Freien, ob Vitamin D bei euch überhaupt zu den relevanten Nährstoffen zählt. Und sagt es auch, wenn nicht.
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